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Medizinisches Lexikon

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Schleudertrauma

Das Schleudertrauma (auch Beschleunigungstrauma) ist eine Verletzung der Muskel, Bänder und Sehnen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), die durch schnelle, starke Beugung mit anschließender starker Überstreckung des Kopfs und einer entsprechenden Zerrung des Halses entsteht. Bei den Verletzungen handelt es sich meist um unkomplizierte Muskelzerrungen oder Bänderrisse. Bandscheiben-, Knochen-, Blutgefäß- und Nervenverletzungen treten bei einem Schleudertrauma nur selten auf.

Typische Beschwerden sind vor allem Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Muskelverspannungen im Nackenbereich (in Ruhe und bei Bewegung) sowie Kopfschmerzen. Häufig treten die Symptome mit einer Verzögerung von einigen Stunden bis zwei Tagen auf. Weitere mögliche Beschwerden sind: Übelkeit, Schwindel, Kribbeln und Taubheitsgefühl in Armen und Beinen (bei einer Beeinträchtigung der Nerven). Im weiteren Verlauf können sich diese Befindlichkeitsstörungen verstärken und zu Schmerzen im Schulter-Arm-Bereich, Sehstörungen, Ohrendruck sowie allgemeiner Schwäche und Stimmungsschwankungen führen.

In der Medizin wird ein Schleudertrauma in fünf verschiedene Schweregrade (0 bis 4) eingeteilt:

  • 0 = keine Beschwerden
  • 1 = Nackensteifheit, Beschwerden im Nackenbereich
  • 2 = Beschwerden und Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen, Muskelhartspann
  • 3 = Beschwerden und neurologischer Befunde
  • 4 = Fraktur (Wirbelbruch) oder Dislokation (Wirbelverschiebung)

Etwa 90 bis 95 Prozent der Schleudertrauma-Fälle entsprechen den Schweregraden 0 bis 2.

Trotz des komplexen Verletzungsmechanismus ist ein Schleudertrauma aus medizinischer Sicht in vielen Fällen harmlos. Dennoch beklagen Betroffene häufig Beschwerden, deren Ausmaß nicht im Verhältnis mit dem körperlichen Befund stehen. Daher wird eine psychosomatische Komponente vermutet, die möglicherweise auf das bewusste Unfallerleben zurückzuführen ist. Betroffene sollten gründlich über das Beschwerdebild aufgeklärt und ggf. psychologisch betreut werden.

Der Verlauf eines Schleudertraumas ist individuell unterschiedlich. Bei einer leichter Form können bis zum völligen Ausheilen einige Wochen vergehen. In schwereren Fällen können die Beschwerden jedoch ein oder sogar mehrere Jahre anhalten. Dabei handelt es sich meist um Personen mit durch Erkrankungen oder früheren Unfällen vorgeschädigter Halswirbelsäule, psychischen Störungen oder um ältere Menschen.

Häufigste Ursachen

  • Autounfälle (Auffahrunfälle) sind die häufigste Ursache.
  • Unfälle bei Sportarten wie z. B. Tauchen, Boxen, Ringen, Judo
  • Unfälle beim Autoskooter- und Achterbahnfahren

Was Sie tun können

  • Schmerzmittel bei Bedarf
  • Gymnastische Übungen zur Lockerung der verspannten Schulter-Nacken-Muskulatur (erst nach Anweisungen des Arztes/des Physiotherapeuten)
  • Wärme (Rotlichtbestrahlung)

Wann Sie zum Arzt müssen

  • Bei Verletzung durch Auffahrunfall, möglichst noch am selben Tag, denn mit einem frühzeitigen Behandlungsbeginn steigen die Chancen auf eine rasche Heilung.

Besonders ausgebildet und erfahren auf diesem Gebiet sind Durchgangs-Ärzte (D-Ärzte), die sowohl in D-Arzt-Praxen als auch in der unfallchirurgischen Ambulanz im Krankenhaus tätig sind.

Bei folgenden Beschwerden sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen:

Was Ihr Arzt tun kann

  • Stellt Schleudertrauma und Schweregrad anhand der aktuellen Beschwerden und der körperlichen und neurologischen Untersuchung fest.
  • Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule, um einen Wirbelbruch oder Gelenksverletzungen auszuschließen. Weitere Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) werden ausschließlich bei Verdacht auf schwere Verletzungen von Wirbelsäule, Schädel und Gehirn angewandt.

Die Behandlungsmaßnahmen richten sich nach dem Ausmaß der Verletzungen:

  • Empfehlung zur sofortigen Wiederaufnahme der täglichen Aktivitäten. Das Tragen einer Halskrawatte ist bei einem Schleudertrauma nicht sinnvoll, das die Halsmuskulatur durch lange Ruhigstellung geschwächt wird, was das Beschwerdebild erheblich verschlechtern kann.
  • Anleitung oder Verordnung von krankengymnastischen Nackenübungen
  • Schmerzmittel bei Bedarf
  • Muskelrelaxierende Arzneimittel (verschreibungspflichtig) bei Bedarf
  • Akupunktur (gegen Schmerzen und Verspannungen)
  • Wärmetherapie
  • Massagen

Vorbeugung

  • Richtige Einstellung der Kopfstütze im Wagen (weniger als 2 cm Abstand zwischen Kopf und Kopfstütze)
  • Vermeidung von Auto- und Sportunfällen

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