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Medizinisches Lexikon

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Kurz-/Weitsichtigkeit

Eine Abweichung vom normalen Sehen wird als Fehlsichtigkeit bezeichnet. Die Kurzsichtigkeit und die Weitsichtigkeit zählen zu den einfachen Formen. Etwa jeder Zweite in Deutschland hat ein eingeschränktes Sehvermögen.

Für das normale Sehen ist das komplex aufgebaute optische System des Auges verantwortlich. Beim Betrachten eines Gegenstandes müssen von außen einfallende Lichtreize mehrere lichtbrechende Strukturen durchdringen; dabei spielen die Hornhaut und die Linse die wichtigste Rolle. Die Brechkraft ist die Fähigkeit des Auges, einfallende Lichtstrahlen zu bündeln. Durch die optische Brechung werden bei Normalsichtigkeit die Strahlen so gebündelt, dass sie genau auf der Netzhaut zusammentreffen. Hier werden sie von den Sinneszellen in Nervenreize gewandelt. Somit entsteht im Gehirn ein scharfes Bild.

Das scharfe Sehen ist nur bei einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Brechkraft und Augenachsenlänge (Abstand von Hornhautmitte bis Netzhautmitte) möglich. Die Achsenlänge beträgt beim normalen Auge ca. 20-24 Millimeter. Die Brechkraft wird in Dioptrien (abgekürzt: dpt) gemessen. Eine Dioptrie entspricht der Brechkraft einer Linse, die das Licht einen Meter hinter ihr bündelt.

Das Auge ist in der Lage, die Brechkraft der Entfernung zum betrachteten Gegenstand anzupassen (Akkomodation). Beim Betrachten von entfernten Gegenständen ist der Linsenmuskel entspannt, die Linse streckt sich und die Brechkraft nimmt ab. Beim Nahesehen zieht sich der Linsenmuskel zusammen, die Linse wölbt sich, und die Brechkraft nimmt zu.


Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) werden nahe Gegenstände (etwa bis fünf Meter) scharf, weiter entfernte dagegen nur verschwommen gesehen. Bei dieser Fehlsichtigkeit bündeln sich die parallel einfallenden Lichtstrahlen vor der Netzhaut; dadurch entstehen auf der Netzhaut nur unscharfe Bilder. Unterschieden werden:

Schulkurzsichtigkeit (Myopia simplex); diese Form ist angeboren, tritt in der Regel zwischen dem zehnten und dem zwölften Lebensjahr auf und schreitet nach dem 25. Lebensjahr nicht mehr wesentlich fort.

Fortschreitende Kurzsichtigkeit (Myopia progressiva); bei dieser Form nimmt die Sehschwäche mit der Zeit weiter zu. Je nach Ausprägung können dabei Netzhautveränderungen entstehen.


Ursachen der Kurzsichtigkeit

  • Überdurchschnittlich langer Augapfel (Achsenmyopie)
  • Zu starke Brechkraft von Hornhaut oder Linse (Brechnungsmyopie)
  • Faktoren, die zu einer vorübergehenden Kurzsichtigkeit führen: bestimmte Medikamente, Anstieg des Blutzuckerspiegels, Unfall
  • Faktoren, die eine Kurzsichtigkeit vorübergehend verstärken können: körperliche und seelische Überbelastung, ungünstige Arbeitsbedingungen (z. B. schlechte Beleuchtung).
  • Die Hormonumstellung während der Schwangerschaft kann eine bestehende Kurzsichtigkeit dauerhaft verschlechtern.


Weitsichtigkeit

Bei Weitsichtigkeit (Hypermetropie, Hyperopie) werden ferne Gegenstände scharf gesehen, nahe gelegene dagegen nur verschwommen. Bei Betrachtung eines Objektes aus der Nähe treffen bei dieser Fehlsichtigkeit die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut zusammen; auf der Netzhaut entsteht lediglich ein unscharfes Bild.

Bei Kindern und jungen Menschen werden die Beschwerden einer geringen bis mittleren Weitsichtigkeit meist durch ein verstärktes Anpassen der Brechkraft (Akkomodation) ständig ausgeglichen. Diese Fähigkeit lässt jedoch im Alter nach, so dass die Sehschärfe im Nahbereich immer stärker eingeschränkt ist. So kann eine Weitsichtigkeit während der Jugend noch unbemerkt bleiben, sich aber mit zunehmendem Alter immer stärker zeigen (Alterssichtigkeit).


Ursachen der Weitsichtigkeit

  • Zu kurzer Augapfel (Achsenhypermetropie)
  • Zu geringe Brechkraft des Auges (Brechungshypermetropie)


Was Sie tun können

  • Augenentspannung (z. B. Massageübungen)
  • Entspannungsübungen für Körper und Seele (z. B. Atemübungen) entlasten auch die Augen
  • Vorsicht: Im Straßenverkehr ist das Tragen der entsprechenden Sehhilfe zur Sicherheit aller Beteiligten oberstes Gebot!


Wann Sie zum Augenarzt müssen

  • Wenn Sie Veränderungen Ihrer Sehkraft wahrnehmen
  • Bei Augen- und Kopfschmerzen, Schwindel
  • Bei Schielen
  • Bei schneller Ermüdung der Augen
  • Bei Zusammenkneifen der Lider
  • Alarmzeichen bei Kindern: Blinzeln, Zukneifen, Schielen, Reiben der Augen sowie häufiges Stolpern, Danebengreifen


Was Ihr Augenarzt tun kann

  • Bei Kurzsichtigkeit Brille mit konkav geschliffenen Linsen (Zerstreuungslinsen, Minusgläser)
  • Bei Weitsichtigkeit Brille mit konvex geschliffenen Linsen (Sammellinsen, Plusgläser)
  • Verordnung von Kontaktlinsen (wenn ausreichend Tränenfilm vorhanden)
  • Sehtraining (funktionelles Augentraining)
  • Operative Behandlung


Vorbeugung

Es gibt keine Vorbeugungsmaßnahmen gegen Kurz- und Weitsichtigkeit. Einige allgemeine Empfehlungen zur Augengesundheit:

  • Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen
  • Vermeiden Sie Nachtarbeit.
  • Legen Sie bei anstrengenden Arbeiten (z. B. Bildschirm oder Feinarbeit) häufiger Pausen ein.
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Richtige Gestaltung des Computer-Arbeitsplatzes
  • Sonnenbrille
  • Halten Sie die Termine zu Vorsorgeuntersuchungen Ihrer Kinder ein.
  • Stellen Sie Ihr Kind im dritten Lebensjahr einem Augenarzt vor.

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